It’s a kind of magic

Noch nie hat mich Architektur so fühlen lassen…

Denkbar schlechte Voraussetzungen. Monets Seerosen in einem Museum in Japan, dass sich Chichu nennt – also unterirdisch? Die Skeptikerin ist sofort auf dem Plan.

Aber es ist das wohl schönste, was Kunst seit langem mit mir gemacht hat. Ein Geschenk, für das ich sehr dankbar bin.

Raue Betonwände. Gerade. In leichten Winkeln. Rein. Roh. Pur. Und immer immer wieder sich wiederholend: die zwei Löcher im Beton. Tadao Ando.

Das Spiel mit dem Himmel. Fusion mit der Natur. Das Loslössen und Lenken des Lichts in den Innenraum. Einfach faszinierend.

Und ich betrete auf weichen Sohlen in geliehenen Pantoffeln den Raum. Noch nie habe ich Kunst und den dafür geschaffenen Raum solch eine Verbindung eingehen sehen. Der Raum von Monets Seerosen.

Der Boden: ein Meer. Wasser. Kleine Steine, schillernd in Variationen von weiß und grau. Quadratisch sind die Steine. Und doch an den Kanten gerundet. Wie die Pinselstriche der Bilder. Getupft. Weich. Unregelmäßig und wie durch Zufall komponiert zu einem Ganzen. Und die Steine fassen sich wunderbar an. Edel, zurückhaltend, samtig.

Pinselstrich an Pinselstrich in Stein.

Der Raum: hoch und weiß. Auch seine Kanten sind abgerundet. Formvollendet weich sind die Ecken. Als hätte ein großer Meister auch diese mit einem lockeren Pinselstrich aus ihrer starren Kantigkeit in einen fließenden Augenblick verwandelt.

Das Licht ist natürlich und kommt von oben. Doch eine weiße Decke, lässt die Farbe des Himmels nicht eindringen. Farbe gehört nur den Gemälden. Das Licht muss die Klippe der Decke überwinden und scheint kaskadisch nach unten. Wie eine Wellenbewegung fließt es in Richtung Wasserlilien.

Der Raum ist nicht Raum, sondern Kunst. Er hat nicht den Anspruch, raumgreifend zu sein, mit Monet in Konkurrenz zu sein. In unendlicher Feinheit geht er eine ästhetische Symbiose mit diesen Werken ein. Und zusammen entwickeln sie eine Magie, die mir die Tränen kommen lassen.

2 Gedanken zu “It’s a kind of magic

  1. Wenn das Reden über Kunst selbst zur Kunst wird. Deine Bilder und Deine Texte sind so magisch wie die Kunst, die Du beschreibst. Das ist so eine Freude, Deinen Blog zu lesen.

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    1. Liebe Anne, vielen lieben Dank! So ein Kompliment von Dir zu bekommen, die Du so viel Feingefühl im Umgang mit Sprache und Kunst hast und so eine feine Wahrnehmung, bedeutet mir sehr viel. Denn manchmal erscheint es mir schwierig, das Erlebte und Gefühlte nachvollziehbar in eine lineare, sprachliche Bewegung zu gießen. Bis hoffentlich bald

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