… oder „too old for this sh**“
Wieviel der Schlafplatz doch ausmacht. Diese Wahl entscheidet, nicht nur, wie, wo und ob Du überhaupt schläfst. Ob weich, hart, im Schlafsack, unter einer Decke, warm oder kalt, laut oder leise. Er entscheidet auch, ob Du eher allein bist oder unter Menschen. Ob eher mit Jung oder Alt. Er entscheidet, die Wahl Deines Essens und ob Du kochst oder nicht. Er entscheidet, ob Du ein Bad für Dich hast, eine Gemeinschaftsdusche oder gar kein Wasser – zumindest kein warmes. Er entscheidet, ob Du mit Deinen Lieben Zuhause in Verbindung sein kannst oder nicht und ob Du möglichst viel drin oder draußen bist. Er entscheidet, ob Du für Abend, Nacht und Morgen so etwas wie ein Mini-Zuhause oder eher eine Durchgangsstation hast. Diese Wahl entscheidet ziemlich viel, wie ich finde.
Auf dieser Reise waren bisher Pritschen in Hütten und Camps mein Schlafplatz. Es waren Flughäfen und Flugzeuge; eigene Zimmer in Homestays, bei Freunden und in teuren Hotels meine Bleibe. Es war mein kleiner, geliebter Camping-Wagen. Und seit Neuseeland: Hostels. Eigentlich dachte ich, dass ich zu alt für Mehrbettzimmer, Stockwerkbetten, Gemeinschaftsbäder und große Küchen bin. Aber es ist meine Wahl geworden.
Mein Hostel gerade ist wundervoll. Nicht zu groß, so dass man mit vielen sprechen kann und zwar mehr als nur der normale Traveller-Talk (woher kommst Du, wie lang bist Du schon unterwegs, was ist Deine nächste Station etc.). Die Mit-Traveller sind bunt gemischt, was Alter und Nationen angeht (obwohl es hier in Neuseeland sonst eine Schwemme von Deutschen und Franzosen gibt). Den Abend gestern habe ich mit Julia und zwei wahnsinnig netten Israelis verbracht. Die Küche ist groß, kommunikativ und gut ausgestattet. Und so habe ich neben meiner Pizza und dem Wein, den ich mit Julia geteilt habe, auch noch einen riesigen, ultra-leckeren Berg Hummus gegessen, den die Israelis gerade frisch für sich zubereitet hatten. Yummie!
Und ich habe Glück. In meinem 6-Bett Dorm waren wir gestern nur zu dritt. Keiner hat geschnarcht, alle sind zu humanen Zeiten ins Bett gegangen (die meisten gehen so zwischen 9 und 10 ins Bett – Reisen macht müde) und keiner musste zu ungemütlichen Zeiten raus. Manchmal fahren die Busse so, dass man um 5 aufstehen muss oder ein Ausflug geht so früh los. In Dorms bedeutet das, der Wecker geht für alle hörbar, dann Taschenlampe an. Das Zimmer wird zumindest schummrig, wenn nicht hell. Es folgt Geknister der unterschiedlichen Tüten, die im Rucksack verstaut werden. Die Türe geht mehrmals auf und zu: Gang zum Bad und wieder zurück, zur Küche zum Frühstück und wieder zurück und dann nochmal wenn die Rucksäcke für die nächste Etappe geholt werden. Trotz Ear Plugs: man kriegt es definitiv mit. Teil des Dorm-Lebens eben. Aber ein nicht sooooo toller. Toll ist allerdings, was einem das für nette und spannende Leute ins Leben streut. Unbezahlbar und jede schalflose Minute wert!
Teil des Hostel-Lebens sind auch die kleinen Freuden, wie z.B. dass die Duschen viele Haken haben, so dass man seine Sachen gut aufhängen kann – manchmal landet sonst zwischendurch alles aufm Boden oder im Wasser. Und wenn die Duschen relativ groß sind – auch dass ein Vorteil, wenn man in trockene Sachen steigen will. Und gaaaaanz manchmal gibt es einen Föhn. Wie hier. Was ein Luxus. Aber leider geht er nicht – egal. Dann eben so ohne alles, wie in den letzten x Stationen.
In jedem Hostel muss das Essen neu gelabelt werden: Name, Zimmernummer, Abreisedatum. Das ist zwar sinnvoll, nervt aber. Inzwischen haben die Essenstüten 4-5 oder mehr verschiedene Aufkleber. Sieht lustig aus.
Tja. Das alles ist mein tägliches Hostel-Leben hier in kleinen, kleinen Auszügen. Es lehrt mich, Kleines zu sehen und zu schätzen. Es zeigt mir so viele Lebensentwürfe und Ansichten, Ideen und Erfahrungen. Es macht es mir einfach, Menschen kennenzulernen, Dinge, Geschichten und ein Stück des Wegs zu teilen. Es ist für mich genau richtig im Moment!

