Das Ende der Welt…

oder ein Stück vom Paradies

Wieder eine Wanderung bei Sonnenaufgang. Diesmal zum Ende der Welt. Oder genauer gesagt zum kleinen und großen Ende der Welt. Beides ein gleichermaßen schöner wie einfacher Ort. Orte in den Horten Plains – UNESCO Weltkulturerbe, weitläufige Nationalparklandschaft mit sanftem Rundwanderweg für Touristen. (@Ingo: nur für Dich Sneakers)

  
Und nach etwas Ruhe und Luftholen: eine Wanderung weiter entfernt (ca. 3 Stunden mit Bussen und Tuktuk): Haputale. Start auf dem Gipfel: beim guten Herrn Lipton, der wohl den Teeanbau in diese Region gebracht hat. Und dann einfach der Nase nach: 2 Stunden bergab durch Teeplantagen, in denen immer mal wieder ein Dörfchen liegt, wo ich immer wieder auf Teepflückerinnen treffe, die ihre 10-20 kg schweren Teesäcke an der Stirn befestigt durch die Plantagen tragen und ihrer Arbeit nachgehen. Schon beeindruckend. Und was es außerdem macht? Es lässt mich jetzt mein morgendliches Tässchen mehr wertschätzen, denn ich weiß, was da alles hintersteckt. Pflücken in der Hitze; Tragen schwerer Säcke in steiler Landschaft; 3mal täglicher Abtransport zum Wiegen- wenn das Pensum geschafft ist: 600 Rupees Lohn, sonst nix; Trocknen, rollen, schneiden und abermals schneiden, reinigen, sortieren etc. Schon Wahnsinn, was wir so einfach im Teeladen holen ohne einen Gedanken zu verschwenden, was die Kette dahinter alles bedeutet.

          
Vom Ende der Welt bin ich einem Tipp einer Mitreisenden gefolgt und bin dadurch zu einem kleinen Stück vom Paradies gelangt. Ein Homestay unweit von Ella. Während ich schreibe, sitze ich auf dem Balkon. Das Wasser des Flusses vor mir rauscht. Ich beobachte die Nachbarn gegenüber, wie sie erst die Wäsche, dann sich selbst im Fluss waschen. Ich selbst habe auch nasse Haare, da ich gerade von einem Bad an einem völlig einsamen Wasserfall komme. Erfrischend schön, ruhig, versteckt, voller Leben. Das Bad habe ich dringend benötigt, denn eine steile Wanderung mit einigen Kletterpassagen, wo nur noch barfuß mit „natural ropes“ (=Lianen) ein Fortkommen war, liegt hinter mir. Als alter Hasenfuss war das für mich eine richtige Herausforderung, denn es war wirklich gefährlich. Und irgendwie bin ich stolz, das trotzdem irgendwie gemeistert zu haben. Wie genau, weiß ich selbst nicht. Man muss der Angst wohl tatsächlich oft in die Augen schauen, um ihr den Raum zu nehmen, in den sie sich immer wieder auszudehnen versucht.

(@Ingo: da sind sie wieder die Flipflops… Hatte gefragt, ob für ne Wanderung nicht Sneakers besser seien. Empfehlung: nope, Flipflops. :o) Und da sind sie wieder; zusammen mit geschundenen Füßen)

          
Wenn die Sonne untergeht, wird wieder ein Feuer gemacht. Und es wird am Fluss über dem irdenen Ofen über offenem Holzfeuer gekocht. Alles ist mit oder aus Kokosnuss. Schalen, Schöpf- und Rührlöffel, Teekannen und -Tassen, Lämpchen, Dekoartikel, Übertöpfe sowie Kokossaft, Kokosmilch, Kokosmehl, -Raspel etc. 

Es erstaunt mich immer wieder, wie viel die Menschen hier wissen über ihre Umgebung. Über Pflanzen, Samen, Blätter.

   
   

2 Gedanken zu “Das Ende der Welt…

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