One-to-one

Ebbe und dennoch nah – die unregelmäßig regelmäßigen Wogen des Meeres. Das ist das Geräusch, zu dem ich aufwache. Und dann? Strich, Strich, Schritt. Strich, Strich, Schritt. Bereits um 05:45 Uhr kehrt Sanna, der Room Boy, das Treppenhaus. Staub und Sand der Nacht verschwindet. Beinahe unbemerkt. Das sind also die ersten Geräusche meines Morgens. Dann immer dieselbe Frage: geh ich in die Medi und ins Yoga oder nicht? Es ist SEHR früh und im Yoga bin ich grottig. Die Antwort lautet immer gleich. Ja!

Also schnell: eine Treppe höher. 06:00 Uhr Meditation. 06:30 Uhr Yoga. Es fängt an, mir Freude zu machen. Vor allem, wenn Aniosha (ehemalige Film-Schauspielerin und richtig tolle Yoga-Lehrerin) den Kurs gibt. Um 08:00 Uhr spätestens bin ich froh, an beidem teilgenommen zu haben. Dann kurz unter die Dusche und ab zum Frühstück – derzeit immer mit Isabelle und Chris. Jede Menge frische Papaya. Saulecker.

Aber ich verweile nicht zu lange, denn auch hier: Termine, Termine ;o) Schnell ein Behandlungstuch (leichtes, rotes oder grünes Baumwolllaken) umgeschlungen (gar nicht so einfach, das halbwegs elegant und dennoch nicht-rutschend hinzubekommen) und ab auf die Akupunktur-Pritsche. 6 Nadeln, ein Schläfchen und 45 Minuten später: „Finish Madame“. 

  
   
 Dann rüber in den offenen Abholraum fürs tägliche Treatment um 10 Uhr. Kurz vor zehn geht hier ein geschäftiges Treiben los. Aus allen Ecken kommen ölige Wesen in besagten roten und grünen Tüchern, von „Nurses“ von A nach B geführt.  Meine Sakunthalla kommt, lächelt, nimmt mich bei der Hand und führt mich in „meinen“ Behandlungsraum hinten rechts. Ich setze mich. Und entspanne. Denn jetzt folgt eine angenehm feste Kopfmassage, dann Nacken und Rücken. Danach geht’s auf die Liege. Hier folgt nach dem Eye Treatment, das ein bisschen brennt, eine wunderbar sanfte Gesichtsmassage. Keine kann das so wie Sakunthalla. Ab da sind wir dann nicht mehr allein. Die zweite Massage-Fee kommt. Synchronmassage des gesamten Körpers: Face-Up, Side, Other Side, Face Down. Während ich mit warmen Kräutersäckchen betupft werde, kommt ein leichter Luftzug. Danach erfüllt Weihrauch den Raum. Eine „Nurse“ geht immer wieder durch alle Gänge und ZImmer, um die Luft zu reinigen. Sehr angenehm. Dann wieder „Finish Madame“, diesmal wird mir das Tuch Profi-mäßig umgebunden und ich werde an der Hand zum Herbal Garden geführt.

Eine der ca. 10 Liegen ist für die nächste halbe Stunde meine. Ich lege mich hin, eine weitere „Nurse“ kommt. Inzwischen kennt sie mich. Sie weiß, dass meine Patient Number one-one-five ist. Sie schmiert mir Papiere mit Kräutern auf Rücken und Bauch, cremt mein Gesicht mit Aloe ein, legt mir zwei Gurkenscheiben auf die Augen. Gegen die Moskitos bekomme ich ein Tuch über den Körper gebreitet und eine Gaze übers Gesicht. Die nächste Ruhe-Phase. Im Moment kann ich allerdings nicht schlafen, sondern höre den Vögeln zu. Auch nicht schlecht.

Danach ist das Herbal Bath dran. Nach einer ausgiebigen Dusche, die Kräuterpasten und Öle entfernt, werde ich die nächste Viertelstunde  mit warmem Kräuterwasser in einem bestimmten Rhythmus übergossen. SEHR angenehm. Wenn ich auch danach wieder ins rote/grüne Tuch gehüllt wurde, gehe ich aufs Zimmer. Dort kurz auf die Liege aufm Balkon, dann flux geduscht. Denn..

… es wartet ein superleckeres Essen. Nach frischem Hibiskus-Saft, Herbal Tea und einer Suppe ist das Buffet dran. Die „Food-Polizei“ hilft bei der Auswahl der Speisen oder gibt nette und hilfreiche Erklärungen, welches Gericht für wen oder was gut ist. Und es ist lääääcker. Mein Favorit: Jede Form des Cashew-Currys und alle Gerichte mit Bananenblütenblättern.   Nachtisch? Yep. Papaya ist auch hier meine Wahl. Total saftig und süß.

Manchmal bleibt kaum Zeit, die vielen liebevollen Details hier zu bewundern. Jeden Tag sind so z.B. die Blumenschalen mit wunderschönen Blüten frisch bestückt. Man muss hier langsam gehen, um wirklich viel zu entdecken.
   
 Wieder auf dem Zimmer: eincremen und rein in den Bikini und eine Runde in die Wellen schmeißen mit Isabelle. Es ist herrlich. Das Wasser ist klar, weich und warm. Die Wellen manchmal sanft schwappend, manchmal fast peitschend. Diese kindliche Freude wird wohl nie vergehen! 

  
Um halb drei sind wir spätestens zurück, denn dann wartet Dusche Nummer vier, um rechtzeitig fertig zu sein. Rechtzeitig heißt drei Uhr, denn da fangen die Special Treatments oder manchmal auch die Ausflüge an. Relaxen war da für mich nur die ersten Tage. Danach Eye-, Back-, Nasal-Treatments. Oder eben ein Ausflug wie gestern – Bentota River entlang in die Mangroven.
   
   
Etwas Ruhe für Musik, lesen, schwimmen, Blog schreiben, Sonnenuntergang bewundern oder oder oder bis so gegen sieben oder halb acht Uhr. Und dann: wieder Futtern. Ich sitze an einem runden Tisch mit anderen, die auch alleine da sind. Es ist eine gut gemischte, nette, lustige und manchmal auch inspirierende Runde. Jeder holt sich sein Tischkärtchen. Denn da steht für die Bedienung drauf, was jeder von uns zu trinken bekommt, auf was zu achten ist. Ich habe Zimmernummer 121 – „Das passt total zu Dir – one-to-one. Das bist Du. Kümmerst Dich um jeden einzeln“, wie mir gesagt wurde. Das bin also ich: one-to-one. 

Ich höre noch etwas Musik, Podcast oder die Geräusche der Nacht.  
21:00 Uhr. Ich bin müde. Das Licht ist nicht gut genug, um zu lesen. Balkontür und Fenster offen. Unterm Moskitonetz lausche ich dem unregelmäßig regelmäßigen Wogen des Meeres. Das ist das Gerusch, zu dem ich einschlafe.

6 Gedanken zu “One-to-one

  1. Das stammt aus einer mail von Hermann Döser. Er macht eine Motorradtour auf den Philippinen, sein Freund Otl hat eine Philippinin zur Frau:

    wir sind die erste Woche ab 3. Feb. bei Otl in Tinglayan und dann wieder Anfang März. Otls Frau ist immer da. Otl hat dort ein großes Haus mit vielen Zimmern´, die er an Touristen vermietet

    Tinglayan ist nördlich von Manila. ich könnte mich mit ihm in Verbindung setzen, wenn du das willst.
    Mach’s weiter gut

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  2. Geseken, das ist ja fast Wellness Stress. Und alles wunderbare erholsame Sachen. Toll! Und die Blüten sind so was von schön. Wer ist Isabell? Ist das eine deutsche? Sind dort mehr deutsche? Welche Sprache sprecht ihr.? Das scheint ja so toll zu sein, dass man es gerne ausdehnen würde . Oder vielleicht nach deinen Weltausflügen zum Schluss noch mal. Hier ist alles normal alltäglich. Viele Grüße auch von Maria Augusta. Dicken Kurs Mami.
    Genieß alles in vollen Zügen!

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  3. Liebe Gesa, wie schön, dass sich „Food Polizei“ tatsächlich etabliert hat, da musste ich gerade, in der Bahn sitzend zur Arbeit, schmunzeln! Ich würde ja sofort wieder zurückfliegen!
    Ich hoffe, du konntest es noch alles genießen. Iss soviel Papaya wie du kannst, ich bin hier auf kaltem Entzug! In Deutschland schmeckt sie einfach nicht so… 😉
    Und google mal Gili Air – sehr traumhaft!
    Liebe Grüße, Miriam

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